Wie du als Anleger auf steigende Zinsen reagieren solltest

Lesezeit: 5 min
05. April 2023

Das Thema Zinserhöhung ist derzeit topaktuell. Anleger bekommen wieder Zinsen auf ihr Tages- und Festgeld und das lässt viele Anleger-Herzen höher schlagen. Für Fremdkapital, wie beispielsweise im Bereich der Immobilienfinanzierung oder bei Firmenkrediten, ist der steigende Zins allerdings ein Fluch. Was du jedoch bedenken solltest, wenn du dein Kapital wegen der Zinserhöhung auf ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto schieben möchtest, erfährst du in diesem Beitrag.


Beim Aussortieren sind mir kürzlich alte Unterlagen in die Hände gefallen und ich habe mit Erschrecken festgestellt, dass ich damals bei einer Bank 4,5 Prozent auf mein Tagesgeld bekommen habe. Das kann man sich heutzutage kaum mehr vorstellen. Heute liegt der Tagesgeldzinssatz irgendwo zwischen 0,2 und 1,5 Prozent.

Wenn du einen Kredit aufnehmen möchtest, etwa für eine zehnjährige Immobilienfinanzierung, liegt der Zinssatz zwischen 4 und 4,5 Prozent. Banken machen also wieder ein gutes Geschäft.

Einfaches Beispiel: Du parkst dein Geld bei der Bank und erhältst wegen der aktuellen Zinserhöhung 1,5 Prozent auf dein Tagesgeld. Die Bank gibt das Geld über Fristen- und Losgrößentransformation weiter, etwa für eine Immobilienfinanzierung zu 4,5 Prozent und verdient dadurch 3 Prozent.

Wenn dich dazu das Thema Losgrößentransformation, Fristentransformation und Risikotransformation interessiert, lasse mir gern einen Kommentar dazu da, dann werde ich das Thema weiter aufgreifen.


Zinserhöhung auf dein Festgeldkonto. Vorsicht Falle!

Neben dem Tagesgeld gibt es natürlich auch auf das Festgeld eine Zinserhöhung. Beim Festgeld, wie der Name schon sagt, leihst du der Bank für eine feste Laufzeit dein Geld. Du bekommst derzeit zwischen 2,3 und 2,5 Prozent dafür. Bei 5 Jahren Laufzeit liegt der Zinssatz zwischen 3,02 und 3,2 Prozent.

Die Zinserhöhung scheint zunächst recht attraktiv. Zu berücksichtigen ist jedoch die derzeitige Inflation von 6 bis 10 Prozent. Die reale Inflation dürfte noch deutlich darüber liegen. Gehen wir mal nur von 10 Prozent aus, machst du also immer noch 7 Prozent Verlust.

Außerdem wird das Festgeld leicht zu einer Falle, in die nun viele, durch die langersehnte Zinserhöhung, tappen werden.

Angenommen, du legst dein Geld für eine Laufzeit von einem Jahr fest bei der Bank an. Wir gehen mal von 100.000 Euro aus. Beim Tagesgeld bekommst du darauf aktuell maximal 1,5 Prozent. Beim Festgeld zwischen 2,3 und 2,5 Prozent. Kannst du wirklich zwölf Monate auf dein Geld verzichten, ist es eine Überlegung wert, die Zinserhöhung mitzunehmen.

Legst du dein Geld aber länger an, etwa 5 Jahre zu 3,1 Prozent und nach zwei Jahren gibt es wieder eine deutliche Zinserhöhung auf vielleicht 4 oder 4,5 Prozent, erleidest du einen Zinsschaden. Du kannst dein Geld nicht einfach zu der Bank mit dem deutlich höheren Zins umschichten.

Daher meine Empfehlung: Wenn du die Zinserhöhung auf das Festgeld mitnehmen möchtest, lege dein Geld nur kurzfristig an. Lege es nur kurzfristig fest an, wenn du das Geld wirklich übrig hast und nicht darauf angewiesen bist. Ansonsten wähle lieber das Tagesgeldkonto.



Umschichtungen wegen der Zinserhöhung

Anleger stellen sich wegen der Zinserhöhung derzeit die Frage, ob sie ihre Investments in Aktienfonds, Mischfonds etc. liquidieren und auf ein Tagesgeldkonto umschichten sollen.

Meine persönliche Meinung ist: Es lohnt sich nicht. Warum? Dein Zins ist gedeckelt. Du bekommst maximal zwischen 0,2 und 1,5 Prozent auf dein Tagesgeld. Wenn du in den letzten Jahren in Aktienfonds, Mischfonds oder anderen investiert warst, realisierst du wahrscheinlich einen Verlust, wenn du diese liquidierst. Diesen Verlust kannst du später nur mit künftigen Gewinnen aus der gleichen Anlageklasse verrechnen. Das heißt, du kannst Aktienverluste oder Aktiengewinne nicht mit Fonds verrechnen. Ob es künftig möglich sein wird, diese zu verrechnen, damit beschäftigt sich derzeit das Bundesverfassungsgericht.


Zinserhöhung auf das Tagesgeld

Wenn du also Verluste realisierst, musst du diese erst einmal wieder ausgleichen. Langfristig wird sich deine Anlage in Aktienfonds sehr wahrscheinlich positiv entwickeln und rentieren. Lasse dich also nicht von einer kleinen Zinserhöhung auf ein Tagesgeldkonto locken und löse dafür deine Depots auf. Das wäre der völlig falsche Weg.

Wenn du dein Geld allerdings auf einem Girokonto parkst und dafür keinerlei Zinsen bekommst, dann ist es sinnvoll auf ein Tagesgeldkonto umzuschichten. Beachte allerdings, dass du dich wegen der Einlagensicherung unter der Summe von 100.000 Euro pro Bank bewegst.


Scheinsicherheit Einlagensicherung

Wie sicher ist dein Geld bei der Bank? Auch diese Frage solltest du dir stellen. Das Versprechen Angela Merkels und Peer Steinbrücks ist für mich ein reines Lippenbekenntnis. „Die Einlagen der Sparer sind sicher“. Nur mal angenommen, 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung deiner Stadt haben 100.000 Euro auf einem Bankkonto geparkt. Ist es realistisch, dass derzeit tatsächlich so viel Geld abrufbar ist? Meiner Meinung nach wird hier eine Scheinsicherheit suggeriert, auf die sich zu viele Menschen verlassen. Schaue dir dazu den Paragrafen 6, Absatz 19 zum Umfang der Einlagensicherung an, in dem es heißt: „Ein Rechtsanspruch auf Eingreifen oder auf Leistung des Einlagensicherungsfonds besteht nicht.“ Glaubst du immer noch, dass deine Ersparnisse bei deiner Bank sicher sind?

Nehmen wir beispielsweise die Greensill Bank in Bremen, die vor etwa eineinhalb Jahren insolvent gegangen ist. Die Einlagensicherung greift nur für Privatpersonen, nicht etwa für Kommunalkunden. Einige Stadtkämmerer haben ihre Einlagen also entsprechend verloren.


Fazit zu der derzeitigen Zinserhöhung

Verfalle wegen der aktuellen Zinserhöhung nicht in Euphorie und treffe voreilige Entscheidungen. Natürlich kann man unter gewissen Umständen in Erwägung ziehen, die Zinserhöhung mitzunehmen, wenn die Rahmenbedingungen passen.

  • Wichtig ist, dass du einen klaren Plan und Fokus hast und daran festhältst. Warum investierst du? Was ist deine Strategie? Weiche davon nicht ab, nur wegen einer kleinen Zinserhöhung. Eine Umschichtung lohnt sich nur in wenigen Fällen und unter bestimmten Voraussetzungen. Prüfe und stelle genau gegenüber, was sinnvoller ist.

  • Hast du Geld auf dem privaten oder geschäftlichen Girokonto liegen, solltest du es nicht dort versauern lassen. Die Zinserhöhung mitzunehmen und auf ein Tagesgeldkonto umzuschichten, macht durchaus Sinn.

  • Eine feste Laufzeit auf einem Festgeldkonto solltest du nur in Erwägung ziehen, wenn der Zeitraum überschaubar ist und du wirklich für diese Laufzeit auf das Geld verzichten kannst. Kannst du etwa für ein Jahr lang darauf verzichten, ist ein Festgeldkonto wegen höherer Zinsen attraktiver, als ein Tagesgeldkonto.



Hast du weitere Fragen zu der derzeitigen Zinserhöhung oder brauchst Unterstützung im Bereich Finanzen und Investment, buche gern ein kostenloses Erstgespräch. Wir klären dann in 30 bis 45 Minuten, wie ich dich unterstützen kann und wo deine Herausforderungen liegen. Ich verspreche dir, du wirst am Ende des Gesprächs einen Nutzen für dich mitnehmen.

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dein Sven Stopka

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