Riester ist bald Geschichte: Behalten, wechseln oder neu starten?
Das Wichtigste in Kürze
Ab dem 1. Januar 2027 können keine neuen Riester-Verträge im alten Fördersystem mehr abgeschlossen werden. Das Altersvorsorgedepot und das Standarddepot lösen sie ab. [1]Bestehende Riester-Verträge laufen weiter. Es gibt keine automatische Umwandlung. [1]
Die neuen Produkte bieten mehr Flexibilität und Renditechancen, aber weniger Garantie. Die Förderung bleibt der entscheidende Faktor, gerade bei kleinen Beiträgen. [2]
Ein Wechsel ist möglich, sollte aber nie aus dem Bauch heraus passieren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Die Reform befindet sich in der Umsetzung; Details wie Produktangebote, Kosten und Auszahlungsregeln können sich bis zum Start am 1. Januar 2027 noch ändern. Für deine persönliche Entscheidung solltest du deine Vertragsunterlagen und gegebenenfalls eine unabhängige Beratung heranziehen.
[Die in den Klammern befindlichen Nummern sind Quellenangaben, die am Ende des Beitrages zu finden sind.]
Die Frage, die viele gerade beschäftigt
Du hast vielleicht irgendwann einen Riester-Vertrag abgeschlossen, weil man dir gesagt hat, dass es „das Richtige“ ist. Jetzt liest du überall, dass Riester abgelöst wird. Die naheliegende Reaktion: Ich muss sofort handeln.
Ganz so ist es nicht. Bevor du etwas kündigst oder umschichtest, lohnt sich ein nüchterner Blick auf drei Fragen: Was hast du, was bekommst du, und was kostet dich ein Wechsel?
Was sich wirklich ändert
Die Reform ist kein Detail, sondern ein Neustart. Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 zugestimmt, verkündet wurde es am 29. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt. [3, 4]
Die wichtigsten Punkte für dich:
Kein Zwang mehr zu 100 % Garantie
Anbieter müssen nicht mehr zwingend garantieren. Das Altersvorsorgedepot kann dadurch auch stärker in Aktien-ETFs investieren. Mehr Rendite heißt aber auch: Schwankungen und Verluste sind möglich.
Wer einen Garantieverlauf braucht, bekommt im neuen System weiterhin Garantieprodukte, wahlweise mit 100 % oder 80 % garantierten Beiträgen. [5]
Das Standarddepot
Für alle, die sich nicht entscheiden können, gibt es ein einfaches Produkt. Die Effektivkosten sind auf maximal 1,0 Prozent begrenzt. [6]
Achtung: Die Obergrenze gilt nur für das Standarddepot, nicht für andere Altersvorsorgedepots. Vergleiche deshalb immer die Effektivkosten.
Die Förderung
Bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro im Jahr gibt es eine Grundzulage von bis zu 540 Euro. Pro Kind kommen 300 Euro dazu, bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag einmalig 200 Euro. [4]
Der gesetzliche Mindesteigenbeitrag für die Förderung liegt bei 120 Euro im Jahr.
Mehr Flexibilität in der Auszahlung
Künftig kann man zwischen einer lebenslangen Rente und einem Auszahlplan wählen. [5]
Der Auszahlplan ist laut aktuellem Stand als 20-jährige Auszahlphase ab dem 65. Lebensjahr vorgesehen. [7]
Ob und wie das im Detail umgesetzt wird, hängt auch von den Anbietern ab.
Dein bestehender Riester-Vertrag: drei Wege
Weg 1: Behalten
Für viele ist das die richtige Antwort. Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, genießen Bestandsschutz. [3]
Du kannst also weiter nach den bisherigen Regeln besparen.
Gerade ältere Verträge haben oft Eigenschaften, die man nicht leichtfertig aufgibt: eine solide Garantieverzinsung, günstige Rentenfaktoren oder eine lebenslange Rente. Das sind Werte, die man nicht einfach ersetzen kann.
Weg 2: Wechsel in das neue Fördersystem
Du kannst deinen Vertrag ohne Zustimmung deines bisherigen Anbieters in die neue Förderlogik überführen. [3]
Das klingt nach einer Vereinfachung, ist aber eine Entscheidung mit Folgen. Dein Garantieversprechen kann dabei wegfallen, und die Konditionen des Vertrags können sich ändern. Frag vorher konkret nach, was genau du verlierst.
Weg 3: Umstellung innerhalb des Vertrags
Einvernehmlich mit dem Anbieter sind weitere Änderungen möglich, etwa beim Abweichen von der Verrentungspflicht. [3]
Das ist Verhandlungssache und hängt vom Anbieter ab.
Warum du nicht pauschal wechseln solltest
Ein verbreiteter Denkfehler lautet: „Die Rendite im Depot ist höher, also wechsle ich.“
Das greift zu kurz. Bei kleinen Beiträgen ist die staatliche Förderung der weitaus größere Hebel. Ein günstiger Riester-Fondssparplan mit den alten Förderregeln kann sich deshalb in einigen Fällen mehr lohnen als ein neues Produkt, auch wenn dessen Rendite besser aussieht. [2]
Das gilt besonders für Menschen mit eher geringem Einkommen und mehreren Kindern. Für sie kann das neue Fördersystem nachteilig sein. [2]
Dazu kommt: Die Riester-Rente hatte mit der garantierten Auszahlung auch eine Versicherungskomponente. Diese fällt im neuen System weg. Ob dir das wichtig ist, musst du selbst entscheiden.
Mein Rat: Such dir die Antwort nicht im Werbeprospekt, sondern in deinem Vertrag.
Was meiner Meinung nach zählt
Die Reform ist eine echte Chance, aber kein Selbstläufer. Ob du profitierst, hängt weniger vom Gesetz ab als von drei Dingen:
Deine Kosten
Effektivkosten sind der Hebel, den du selbst in der Hand hast. Ein Prozentpunkt Kosten macht über 30 Jahre einen spürbaren Unterschied.
Deine Zeit
Je länger der Anlagehorizont, desto eher lohnt sich mehr Renditechance. Wer nur noch fünf Jahre bis zur Rente hat, sollte anders rechnen.
Deine Ruhe
Wer bei Kursrückgängen nervös wird, braucht keine Renditeversprechen, sondern eine Strategie, die er auch durchhält.
Deine nächsten Schritte
- Hol dir die aktuellen Unterlagen. Wie hoch ist dein Beitrag, welche Garantien hast du, wie hoch sind die Kosten?
- Rechne konkret. Vergleiche Altvertrag und neue Lösung mit denselben Annahmen und einem realistischen Zeitraum.
- Stell gezielte Fragen. Was passiert mit meinen Garantien? Welche Kosten fallen beim Wechsel an? Wie sieht die Auszahlung aus?
- Entscheide erst dann. Ein Wechsel ist nicht rückgängig zu machen, ein Abwarten meist schon.
Übrigens: Auch ab 2027 gibt es noch viele offene Punkte. Konkrete zertifizierte Produkte werden erst zum Start erwartet. Und die geplante Frühstart-Rente für Kinder ist noch nicht beschlossen. [8]
Das ist ein Grund mehr, nicht hektisch zu entscheiden.
Fazit
Riester verschwindet, aber dein Vertrag verschwindet nicht einfach mit. Die Reform eröffnet neue Möglichkeiten, doch ob sie dir nützt, entscheidet sich an deinen Zahlen, nicht an Schlagzeilen.
Behalten, wechseln oder neu starten ist keine Glaubensfrage, sondern eine Rechenaufgabe mit persönlichen Vorzeichen.
Bis bald,
dein Sven Stopka