Riester ist bald Geschichte: Behalten, wechseln oder neu starten?

Lesezeit: 5 min
15. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

Ab dem 1. Januar 2027 können keine neuen Riester-Verträge im alten Fördersystem mehr abgeschlossen werden. Das Altersvorsorgedepot und das Standarddepot lösen sie ab. [1]
Bestehende Riester-Verträge laufen weiter. Es gibt keine automatische Umwandlung. [1]
Die neuen Produkte bieten mehr Flexibilität und Renditechancen, aber weniger Garantie. Die Förderung bleibt der entscheidende Faktor, gerade bei kleinen Beiträgen. [2]
Ein Wechsel ist möglich, sollte aber nie aus dem Bauch heraus passieren.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Die Reform befindet sich in der Umsetzung; Details wie Produktangebote, Kosten und Auszahlungsregeln können sich bis zum Start am 1. Januar 2027 noch ändern. Für deine persönliche Entscheidung solltest du deine Vertragsunterlagen und gegebenenfalls eine unabhängige Beratung heranziehen.

 

[Die in den Klammern befindlichen Nummern sind Quellenangaben, die am Ende des Beitrages zu finden sind.]


Die Frage, die viele gerade beschäftigt

Du hast vielleicht irgendwann einen Riester-Vertrag abgeschlossen, weil man dir gesagt hat, dass es „das Richtige“ ist. Jetzt liest du überall, dass Riester abgelöst wird. Die naheliegende Reaktion: Ich muss sofort handeln.

Ganz so ist es nicht. Bevor du etwas kündigst oder umschichtest, lohnt sich ein nüchterner Blick auf drei Fragen: Was hast du, was bekommst du, und was kostet dich ein Wechsel?


Was sich wirklich ändert

Die Reform ist kein Detail, sondern ein Neustart. Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 8. Mai 2026 zugestimmt, verkündet wurde es am 29. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt. [3, 4]

Die wichtigsten Punkte für dich:

Dein bestehender Riester-Vertrag: drei Wege

Weg 1: Behalten

Für viele ist das die richtige Antwort. Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, genießen Bestandsschutz. [3]

Du kannst also weiter nach den bisherigen Regeln besparen.

Gerade ältere Verträge haben oft Eigenschaften, die man nicht leichtfertig aufgibt: eine solide Garantieverzinsung, günstige Rentenfaktoren oder eine lebenslange Rente. Das sind Werte, die man nicht einfach ersetzen kann.

Weg 2: Wechsel in das neue Fördersystem

Du kannst deinen Vertrag ohne Zustimmung deines bisherigen Anbieters in die neue Förderlogik überführen. [3]

Das klingt nach einer Vereinfachung, ist aber eine Entscheidung mit Folgen. Dein Garantieversprechen kann dabei wegfallen, und die Konditionen des Vertrags können sich ändern. Frag vorher konkret nach, was genau du verlierst.

Weg 3: Umstellung innerhalb des Vertrags

Einvernehmlich mit dem Anbieter sind weitere Änderungen möglich, etwa beim Abweichen von der Verrentungspflicht. [3]

Das ist Verhandlungssache und hängt vom Anbieter ab.

 

Warum du nicht pauschal wechseln solltest

Ein verbreiteter Denkfehler lautet: „Die Rendite im Depot ist höher, also wechsle ich.“

Das greift zu kurz. Bei kleinen Beiträgen ist die staatliche Förderung der weitaus größere Hebel. Ein günstiger Riester-Fondssparplan mit den alten Förderregeln kann sich deshalb in einigen Fällen mehr lohnen als ein neues Produkt, auch wenn dessen Rendite besser aussieht. [2]

Das gilt besonders für Menschen mit eher geringem Einkommen und mehreren Kindern. Für sie kann das neue Fördersystem nachteilig sein. [2]

Dazu kommt: Die Riester-Rente hatte mit der garantierten Auszahlung auch eine Versicherungskomponente. Diese fällt im neuen System weg. Ob dir das wichtig ist, musst du selbst entscheiden.

Mein Rat: Such dir die Antwort nicht im Werbeprospekt, sondern in deinem Vertrag.


Was meiner Meinung nach zählt

Die Reform ist eine echte Chance, aber kein Selbstläufer. Ob du profitierst, hängt weniger vom Gesetz ab als von drei Dingen:

Deine Kosten

Effektivkosten sind der Hebel, den du selbst in der Hand hast. Ein Prozentpunkt Kosten macht über 30 Jahre einen spürbaren Unterschied.

Deine Zeit

Je länger der Anlagehorizont, desto eher lohnt sich mehr Renditechance. Wer nur noch fünf Jahre bis zur Rente hat, sollte anders rechnen.

Deine Ruhe

Wer bei Kursrückgängen nervös wird, braucht keine Renditeversprechen, sondern eine Strategie, die er auch durchhält.

 

Deine nächsten Schritte

  1. Hol dir die aktuellen Unterlagen. Wie hoch ist dein Beitrag, welche Garantien hast du, wie hoch sind die Kosten?
  2. Rechne konkret. Vergleiche Altvertrag und neue Lösung mit denselben Annahmen und einem realistischen Zeitraum.
  3. Stell gezielte Fragen. Was passiert mit meinen Garantien? Welche Kosten fallen beim Wechsel an? Wie sieht die Auszahlung aus?
  4. Entscheide erst dann. Ein Wechsel ist nicht rückgängig zu machen, ein Abwarten meist schon.

Übrigens: Auch ab 2027 gibt es noch viele offene Punkte. Konkrete zertifizierte Produkte werden erst zum Start erwartet. Und die geplante Frühstart-Rente für Kinder ist noch nicht beschlossen. [8]

Das ist ein Grund mehr, nicht hektisch zu entscheiden.


Fazit

Riester verschwindet, aber dein Vertrag verschwindet nicht einfach mit. Die Reform eröffnet neue Möglichkeiten, doch ob sie dir nützt, entscheidet sich an deinen Zahlen, nicht an Schlagzeilen.

Behalten, wechseln oder neu starten ist keine Glaubensfrage, sondern eine Rechenaufgabe mit persönlichen Vorzeichen.

Bis bald,
dein Sven Stopka

 

Quellen und weiterführende Informationen