Auszahlung der bAV: Kapitalauszahlung oder lebenslange Rente?

Lesezeit: 9 min
15. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze

Prüfe deine Auszahlungsoptionen: Je nach Vertrag kommen lebenslange Rente, Kapitalauszahlung oder eine Kombination infrage.
Vergleiche immer die Nettobeträge: Steuern und Sozialversicherungsbeiträge können erheblich beeinflussen, was von deiner bAV tatsächlich übrig bleibt.
Berücksichtige bei einer Rente auch die Vertragsbedingungen: Rentengarantiezeit und Regelungen für den Todesfall gehören mit in die Entscheidung.
Plane die bAV-Auszahlung frühzeitig: Welche Variante passt, hängt von deinem Vertrag, deinen weiteren Einkünften und deinem Kapitalbedarf im Ruhestand ab.

 

Du hast es bald geschafft: Der Ruhestand steht vor der Tür und du hast über Jahre zusätzlich zur gesetzlichen Rente Kapital in einer betrieblichen Altersvorsorge angespart. Doch genau jetzt wird es noch einmal richtig spannend. Denn bei der bAV Auszahlung kann eine einzige Entscheidung über viele tausend Euro entscheiden.

Lässt du dir dein angespartes Kapital auf einmal auszahlen? Entscheidest du dich für eine monatliche Rente? Oder kombinierst du beides miteinander? Und vor allem: Was bleibt dir nach Steuern und Sozialversicherung tatsächlich übrig? Diese Fragen solltest du nicht erst beantworten, wenn die Auszahlung unmittelbar bevorsteht. Deine bAV ist ein wichtiger Baustein deiner späteren Altersversorgung – und deshalb solltest du frühzeitig wissen, welche Möglichkeiten du hast.

 

Wann kannst du deine bAV Auszahlung überhaupt erhalten?

Fangen wir mit der wichtigsten Frage an: Wann hast du überhaupt Anspruch auf dein Geld aus der betrieblichen Altersvorsorge?

Die Antwort findest du zunächst in deinem Vertrag beziehungsweise in der jeweiligen Zusage. Hast du beispielsweise eine Direktversicherung, steht dort ein entsprechendes Datum oder ein Endalter. Dieses Datum ist für deine bAV Auszahlung maßgeblich.

Je nach Durchführungsweg kann zusätzlich eine Versorgungsordnung gelten. Darin kann zum Beispiel festgelegt sein, dass du eine Regelaltersrente aus der Deutschen Rentenversicherung beziehen musst, bevor du deine betriebliche Altersvorsorge in Anspruch nehmen kannst.

Deshalb: Schau in deinen Vertrag und in die Versorgungsordnung. Dort findest du die Antwort darauf, wann deine konkrete bAV ausgezahlt werden kann.

Das ist besonders wichtig, wenn du mehrere Verträge aus unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen hast. Es kann durchaus sein, dass diese Verträge unterschiedliche Auszahlungstermine haben. Vielleicht kannst du aus einer Versorgung bereits mit 66 Jahren Leistungen beziehen, während eine andere erst zu einem späteren Zeitpunkt ausgezahlt werden kann.

Du musst also ganz konkret prüfen, welche Voraussetzungen für jeden einzelnen Vertrag gelten.

 

Was passiert mit der bAV, wenn du vorher stirbst?

Hier müssen wir unterscheiden, wer im Todesfall überhaupt anspruchsberechtigt ist und was in deinem Vertrag vereinbart wurde.

Nehmen wir einmal an, du hast heute ein Guthaben von 20.000 Euro in deiner bAV. Du verstirbst und hast weder einen Ehepartner noch einen Lebenspartner in häuslicher Gemeinschaft und auch keine kindergeldberechtigten Kinder.

  • Bei einer Versicherungslösung kann dann beispielsweise ein Sterbegeld vorgesehen sein. In einem solchen Fall können beispielsweise 8.000 Euro zur Auszahlung kommen. Bei einer Direktzusage gibt es ebenfalls entsprechende Regelungen.
  • Bist du dagegen verheiratet oder hast du ein kindergeldberechtigtes Kind, kann das Vertragsguthaben beziehungsweise die entsprechende Leistung an deine Hinterbliebenen ausgezahlt werden.

Je nach Durchführungsweg und Vertrag kann dabei auch zwischen einer Einmalzahlung und einer Rentenleistung unterschieden werden.

Auch hier gilt: Verlass dich nicht auf allgemeine Aussagen. Entscheidend ist, was in deinem Vertrag und in deiner Versorgungsordnung tatsächlich vereinbart wurde.

 

Welche Möglichkeiten gibt es bei der bAV Auszahlung?

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten:

  1. monatliche Rentenzahlung
  2. einmalige Kapitalauszahlung
  3. eine Kombination aus beidem, also eine Teilkapitalauszahlung

Es gibt dabei nicht die eine Variante, die automatisch für jeden besser ist. Natürlich gibt es Tendenzen. Aber am Ende musst du dir deine persönliche Situation und deinen konkreten Vertrag anschauen.

 

Monatliche Rente

Nehmen wir an, du hast ein Vertragsguthaben von 100.000 Euro und daraus entsteht eine monatliche Rentenzahlung.

Du kannst zunächst einmal ganz einfach überschlagen, wie lange es dauern würde, bis du über die Rentenzahlungen rechnerisch auf deine 100.000 Euro kommst.

Dafür nimmst du deine monatliche Rente mal zwölf. Damit hast du den Jahresbetrag. Anschließend teilst du die 100.000 Euro durch diesen Jahresbetrag.

So bekommst du einen ersten Eindruck davon, wie lange du die Rente beziehen müsstest, bis die Summe deiner Zahlungen rechnerisch dem ursprünglichen Kapital entspricht.

Aber Achtung: Eine solche Rechnung allein reicht nicht aus. Eine monatliche Rente wird anders besteuert als eine einmalige Kapitalauszahlung. Außerdem können Sozialversicherungsbeiträge eine Rolle spielen. Du musst also immer betrachten, was netto tatsächlich bei dir ankommt.

 

Einmalige Kapitalauszahlung

Bei einer einmaligen bAV Auszahlung bekommst du dein Kapital – sofern dein Vertrag diese Möglichkeit vorsieht – auf einen Schlag.

Das kann natürlich interessant sein. Vielleicht möchtest du deine Restschuld am Haus zurückzahlen. Vielleicht möchtest du dir ein Wohnmobil kaufen, ein neues Auto oder mit deiner Frau beziehungsweise deinem Mann um die Welt reisen. Dafür hast du schließlich über viele Jahre angespart.

Aber genau hier liegt eine große Falle: Die Summe, die in deinem Vertrag steht, ist nicht automatisch die Summe, die später auf deinem Konto landet. Von der Bruttosumme gehen unter Umständen noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ab.

 

Teilkapitalauszahlung

Du kannst unter bestimmten Voraussetzungen auch beides miteinander kombinieren.

Bleiben wir bei unserem Beispiel mit 100.000 Euro. Du könntest beispielsweise 30.000 Euro sofort erhalten und die restlichen 70.000 Euro verrenten lassen.

Vielleicht möchtest du mit den 30.000 Euro einen Teil deiner Hausfinanzierung zurückzahlen und gleichzeitig über die verbleibenden 70.000 Euro eine laufende Rente erhalten.

Das kann eine interessante Möglichkeit sein.

Aber lass dir vorher konkret berechnen, wie sich die Entnahme auf deine spätere monatliche Rente auswirkt. Der Anbieter kann dir ausrechnen, welche Rente bei einer bestimmten Kapitalentnahme noch übrig bleibt. Erst dann kannst du sinnvoll vergleichen.

 

Was musst du bei Steuern und Sozialversicherung beachten?

Jetzt kommen wir zu einem Punkt, der bei der bAV Auszahlung häufig unterschätzt wird: die Abgaben.

Eine monatliche Betriebsrente wird nachgelagert besteuert. Eine einmalige Kapitalauszahlung wird ebenfalls versteuert.

Der Unterschied besteht vor allem darin, wie stark die jeweilige Auszahlung deine steuerliche Situation in dem betreffenden Jahr beeinflusst.

Eine große Einmalzahlung kann deine Progression deutlich nach oben drücken. Bei einer monatlichen Rente verteilt sich die Leistung dagegen über viele Jahre.

Zusätzlich können Sozialversicherungsbeiträge anfallen. Wenn du gesetzlich krankenversichert bist, musst du insbesondere die Krankenversicherung berücksichtigen. Dabei gibt es inzwischen auch einen Freibetrag, dessen Höhe sich verändern kann. Deshalb musst du immer auf das konkrete Jahr und deine persönliche Situation schauen.

Es gibt außerdem bestimmte steuerliche Regelungen, die je nach Durchführungsweg interessant sein können. Bei einer Unterstützungskasse oder einer Direktzusage kann beispielsweise eine Betrachtung nach § 34 EStG relevant werden. Das kann ein Vorteil sein – muss es aber nicht automatisch sein.

Wenn dein Einkommen ohnehin sehr hoch ist und du bereits am oberen Ende der Progression liegst, führt eine entsprechende Regelung nicht zwangsläufig dazu, dass die Auszahlung für dich günstiger wird.

Du siehst also: Bei der bAV Auszahlung zählt nicht nur die Frage, wie viel Kapital vorhanden ist. Entscheidend ist, was nach allen Abzügen tatsächlich bei dir ankommt.

 

Wie lange wird eine Betriebsrente gezahlt?

Entscheidest du dich für eine monatliche Rente, stellt sich natürlich die Frage: Wie lange läuft diese Rente eigentlich?

Grundsätzlich läuft sie bis zum Tod. Interessant wird aber die sogenannte Rentengarantiezeit.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Du gehst mit 67 Jahren in Rente und hast mit deinem Anbieter eine Rentengarantiezeit von 13 Jahren vereinbart. Die Garantiezeit läuft damit zunächst bis zu deinem 80. Lebensjahr. Stirbst du beispielsweise mit 70 Jahren, laufen die Rentenzahlungen für die verbleibenden Jahre der Garantiezeit weiter. Danach ist die Garantiezeit beendet.

Auch deshalb solltest du bei einer bAV Auszahlung nicht ausschließlich auf die Höhe der monatlichen Rente schauen. Die Bedingungen für den Todesfall gehören genauso in deine Entscheidung.

 

Was machst du mit einer großen Kapitalauszahlung?

Nehmen wir an, du bekommst plötzlich 200.000 oder sogar 300.000 Euro ausgezahlt.

Das habe ich in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt. Und meine Empfehlung ist dann zunächst ganz einfach:

Lass das Geld erst einmal sacken. Eine solche Summe musst du mental erst einmal verarbeiten.

Danach kommt die nächste Frage: Was bleibt nach Steuern und Sozialversicherung überhaupt netto übrig? Und erst dann solltest du überlegen, was du mit dem Geld machen möchtest.

Natürlich kannst du einen Teil deiner Restschulden am Haus tilgen. Du kannst dir ein Wohnmobil kaufen, ein Auto oder eine große Reise machen. Du kannst dir Wünsche erfüllen.

Aber bitte plane nicht mit der Bruttosumme.

Ich erlebe immer wieder Menschen, die beispielsweise eine bAV mit 150.000 oder 200.000 Euro haben und gedanklich bereits mit dieser Summe planen. Dann kommt die Ernüchterung: Das Finanzamt verdient mit, die Krankenversicherung kann ebenfalls einen Anteil bekommen – und plötzlich bleibt deutlich weniger übrig.

Genau deshalb solltest du möglichst frühzeitig planen.

Wie viel Geld brauchst du im Ruhestand tatsächlich zum Leben? Wie viel möchtest du für größere Wünsche zurücklegen? Und welchen Teil möchtest du weiterhin für deine Altersversorgung arbeiten lassen?

Denn deine bAV ist eine ganz große Säule deiner späteren Altersversorgung. Du hast jahrelang dafür angespart. Natürlich sollst du dir davon auch etwas gönnen. Aber du solltest nicht alles sinnlos auf den Kopf hauen.

Denn eines möchtest du im Ruhestand sicherlich vermeiden: Am Ende des Geldes noch sehr viel Leben übrig zu haben.

 

Was passiert mit deiner bAV bei einer Arbeitgeberinsolvenz?

Eine berechtigte Frage ist auch: Was passiert eigentlich mit meiner betrieblichen Altersvorsorge, wenn mein Arbeitgeber pleitegeht?

Das hängt vom jeweiligen Durchführungsweg ab.

Bei einem Versicherungsvertrag gibt es beispielsweise Protektor als Sicherungseinrichtung. Sollte der Versicherer insolvent werden, kann Protektor den Vertrag beziehungsweise den Bestand übernehmen und die Leistungen entsprechend fortführen. Bei bestimmten betrieblichen Versorgungen kommt dagegen der Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) ins Spiel.

Bei einer Insolvenz des Arbeitgebers werden die entsprechenden Ansprüche nach den geltenden Regeln abgesichert. Dabei geht es auch um bereits angespartes Kapital und die später zugesagten Leistungen.

Ob du am Ende eine Einmalzahlung oder eine Rentenleistung bekommst, hängt wiederum davon ab, was mit dir als Arbeitnehmer vereinbart wurde.

Deshalb solltest du wissen, welcher Durchführungsweg hinter deiner bAV steckt und welche Sicherungseinrichtung für deinen Vertrag relevant ist.

 

bAV Auszahlung: Ein Rechenbeispiel mit 50.000 Euro

Schauen wir uns zum Schluss noch ein konkretes Beispiel an, denn hier wird besonders deutlich, wie stark sich die Wahl der bAV Auszahlung auf deine finanzielle Situation auswirken kann.

Nehmen wir zwei Personen: Person A und Person B haben am Ende ihres Berufslebens jeweils 50.000 Euro in der bAV angespart. Beide haben das gleiche Renteneintrittsalter, den gleichen Rentenfaktor und beziehen jeweils 1.600 Euro gesetzliche Rente im Monat.

Der einzige Unterschied: Sie entscheiden sich für unterschiedliche Auszahlungsformen.

  • Person A lässt sich die 50.000 Euro einmalig auszahlen.
  • Person B entscheidet sich für eine monatliche Rente.

Das Ergebnis ist ziemlich deutlich.

  • Person A erhält nach Steuern und Abgaben einmalig 29.693 Euro netto.
  • Person B erhält dagegen 123 Euro monatlich.

Rechnerisch braucht Person B ungefähr 19 Jahre und 11 Monate, um über die monatlichen Rentenzahlungen auf denselben Betrag zu kommen.

Jetzt wird es interessant: Person B hat zu diesem Zeitpunkt gerade einmal rund 6.400 Euro an Steuern und Abgaben bezahlt. Bei Person A sind es dagegen mehr als 20.000 Euro. In diesem konkreten Beispiel liegt der rechnerische Break-even damit bei etwa 87 Jahren.

Ab 87 Jahren kann sich die monatliche Rente entsprechend rechnen, darunter ist in diesem Beispiel die Einmalzahlung zunächst im Vorteil. Aber auch das ist noch nicht das Ende der Rechnung.

Denn was passiert, wenn du die Kapitalauszahlung nicht einfach ausgibst, sondern sinnvoll investierst? Dann verschiebt sich dieser Break-even-Punkt deutlich. Du kannst also unter Umständen Steuern sparen beziehungsweise die steuerliche Belastung anders verteilen. Aber das funktioniert natürlich nur dann sinnvoll, wenn das Kapital entsprechend lange für dich arbeitet.

Und genau hier kommt eine weitere persönliche Frage ins Spiel: Wie lange wirst du leben?

Wenn du ein sehr hohes Alter erreichst, kann eine lebenslange Rente über viele Jahre attraktiv sein. Wenn du deutlich früher verstirbst, sieht die Rechnung anders aus.

 

Kapitalauszahlung oder Rente – was ist bei der bAV Auszahlung richtig?

Du siehst: Die Entscheidung zwischen Kapitalauszahlung, monatlicher Rente und Teilkapitalauszahlung ist keine pauschale Ja-oder-Nein-Frage. Es gibt nicht die eine richtige bAV Auszahlung für jeden Menschen.

Du musst dir deine persönliche Situation anschauen:

  • Wie hoch ist dein Vertragsguthaben?
  • Welche monatliche Rente würde daraus entstehen?
  • Wie hoch ist die Steuerbelastung bei einer Einmalzahlung?
  • Welche Sozialversicherungsbeiträge kommen hinzu?
  • Welche weiteren Einkünfte hast du im Ruhestand?
  • Welche Rentengarantiezeit ist vereinbart?
  • Was passiert im Todesfall?
  • Wie viel Kapital brauchst du tatsächlich?
  • Und was möchtest du mit dem verbleibenden Geld machen?

Auch die Frage, was von deiner Betriebsrente am Ende tatsächlich übrig bleibt, solltest du nicht erst bei der Auszahlung stellen. In dem folgenden Beitrag zeige ich dir, warum du deinen bestehenden bAV-Vertrag und seine Kosten genau prüfen solltest.

Am Ende ist die bAV Auszahlung deshalb immer eine persönliche finanzielle Entscheidung. Niemand kann dir garantieren, welche Variante über dein gesamtes Leben den größeren Vorteil bringt. Du kannst aber dafür sorgen, dass du die Zahlen kennst, bevor du dich entscheidest.

Und genau das ist der entscheidende Punkt: Nicht einfach die erstbeste Auszahlung wählen, sondern vorher berechnen, was nach Steuern, Sozialversicherung und deinen persönlichen Zielen tatsächlich für dich übrig bleibt.

 

Dein nächster Schritt: Deine bAV in deine Finanzplanung einordnen

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Bis zum nächsten Beitrag. Bleibe klug, planbar und renditestark investiert,

dein Sven Stopka